Samstag, 24. April 2024
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Rettungsgasse wurde in Münster erfunden

Der Polizeihauptwachtmeister Karl-Heinz Kalow hat die Rettungsgasse erfunden. Foto: Bezirksregierung Münster
Der Polizeihauptwachtmeister Karl-Heinz Kalow hat die Rettungsgasse erfunden. Foto: Bezirksregierung Münster

Der ADAC rechnet am Wochenende mit viel Stillstand auf den Autobahnen. Besonders: A1, A3, A5, A7, A8 und A9. Extrem im Stau: Das Bilden einer Rettungsgasse – die vor genau 60 Jahren bei der Bezirksregierung Münster erfunden wurde.

Rettungsgassen-Erfinder Karl-Heinz Kalow

Erfunden hat die Rettungsgasse Karl-Heinz Kalow. Anfang der 1960er Jahre war er Polizeihauptwachtmeister bei der Autobahnpolizei in Münster und erlebte viele schwere Autounfälle mit. Damals gab es noch keine Verhaltensregeln für Autofahrer im Stau oder nach einem Unfall. Krankenwagen und Feuerwehr kamen oft nicht oder zu spät zu den Verkehrsopfern durch.

Vorschlag beim Innenministerium eingereicht

1963 reichte Kalow beim NRW-Innenministerium einen Vorschlag ein: Bei einem Stau auf der Autobahn sollten an den jeweiligen Rand ihres Fahrstreifens rücken sollten, um Rettungsfahrzeugen die Bahn frei zu machen. Es dauerte noch bis 1970, bis die Idee der Rettungsgasse in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen wurde.

Seit 2016 gilt die aktuell gültige Regelung

Da es zu Kalows Zeiten noch gar keine Autobahnen mit mehr als zwei Richtungsfahrstreifen gab, war die Rettungsgasse immer in der Mitte zu bilden. Seit 2016 lautet die Regel in der Straßenverkehrsordnung (§ 11 Abs. 2 StVO): „Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“ Zu deutsch: Die äußerste linke Spur fährt weiter nach links, alle anderen nach rechts.

Autobahnpolizei war in NRW zunächst eigenständig

Anders, als in anderen Bundesländern, war die Autobahnpolizei in NRW zunächst eigenständig. 1952 wurde die „Verkehrsüberwachungsbereitschaft des Regierungspräsidenten“ in Münster aufgestellt. In Abgrenzung zur „normalen“ Verkehrspolizei trugen die Autobahnpolizisten weiße Mützen und weißes Koppelzeug. Die mit weißen Porsche-Fahrzeugen ausgestatteten Verkehrsüberwachungsstreifen hießen im Volksmund schnell „Weiße Mäuse“, oder auf Platt: „Witte Müse“. Den 1958 von den Autobahnpolizisten gegründeten Münsteraner Karnevalsverein „Witte Müse“ gibt es bis heute, und er ist der Bezirksregierung Münster weiter eng verbunden. 2007 wurden auch in NRW die bis dahin den Bezirksregierungen unterstellten Autobahnpolizeien den Polizeipräsidien angegliedert.

100 DM Prämie für die gute Idee

Übrigens: Als Anerkennung für seine gute Idee bekam Karl-Heinz Kalow vom Land Nordrhein-Westfalen eine Prämie: 100 D-Mark. Bei späteren Erfindungen der Autobahnpolizei Münster war das Land weniger knauserig. 1996 erhielt Autobahnpolizeikommissar Kay-Jürgen Schröder von NRW-Innenminister Franz-Josef Kniola einen mit mehr als 10.000 D-Mark dotierten Preis für den Vorschlag, Fahrbahnverengungen an Autobahnbaustellen nicht erst an der Baustelle, sondern schon 200 Meter früher einzuleiten. Dadurch wurde sowohl die Zahl der Unfälle wie auch der Getöteten in den Baustellenbereichen um mehr als 50 Prozent reduziert.

Die ganze Geschichte rund um den Autobahnpolizisten Karl-Heinz Kalow und seine Erfindung der „Rettungsgasse“, die so viele Menschenleben rettet, gibt es aus der Reihe „Erlebte Geschichten“ als WDR5-Podcast:

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-erlebte-geschichten/audio-karl-heinz-kalow-polizeibeamter-100.html

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