Sonntag, 24. April 2024
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Runder Tisch Energie tagt im Kreishaus

Landrat Dr. Kai Zwicker (vorne Bildmitte) hatte die Führungsspitzen der kreisangehörigen Kommunen sowie der hiesigen Stadtwerke und von Westnetz zum "Energiegipfel" ins Kreishaus eingeladen
Landrat Dr. Kai Zwicker (vorne Bildmitte) hatte die Führungsspitzen der kreisangehörigen Kommunen sowie der hiesigen Stadtwerke und von Westnetz zum „Energiegipfel“, zum Runden Tische Energie, ins Kreishaus eingeladen

Es sei natürlich Zufall gewesen, aber dennoch durchaus bemerkenswert, erklärte Landrat Dr. Kai Zwicker. Er meinte damit den Umstand, dass der „Runde Tisch Energie“, zu dem er die Führungsspitzen der kreisangehörigen Kommunen sowie der hiesigen Stadtwerke und von Westnetz eingeladen hatte, genau in den Zeitraum der diesjährigen UN-Klimakonferenz fiel. Auch bei dem regionalen Gipfel im Borkener Kreishaus sei es um aktuelle und zukunftsweisende Themen im Bereich der Energieversorgung gegangen. Hier lag der Fokus auf der Situation im Westmünsterland. So standen der Austausch über bereits bestehende und künftig anlaufende Maßnahmen der einzelnen Akteure sowie eine mögliche Abstimmung der Aktivitäten im Blickpunkt. Dabei zeigten sich alle Beteiligten einig in dem Bestreben, sich gemeinsam für eine klimafreundliche und ressourceneffiziente Entwicklung im Kreis Borken starkzumachen.

Tagesordnung spiegelt Vielfalt der Herausforderungen wider

Die Tagesordnung der Konferenz spiegelte die Vielfalt der Herausforderungen und Chancen wider, denen sich die Verantwortlichen in Sachen Energie zu stellen haben. Zunächst wurde beleuchtet, wie sich die aktuelle Lage der Energienetze bei der Wind- und Solarenergie darstellt. Aufgrund des derzeitigen Ausbaustandes der erneuerbaren Energien wird im Kreis Borken bereits ein Stromertrag von rund 2.500 Gigawattstunden/Jahr mit insgesamt 321 Windenergieanlagen und 27.158 Solaranlagen auf Dachflächen größer 30 Kilowatt-Peak erzielt. Zudem tragen Wasserkraft sowie Klär- und Deponiegas in geringem Umfang zur Stromgewinnung bei. Und diese Entwicklung geht weiter. Allein 190 Anfragen (zum Teil bereits formal beantragt) zu neuen Windenergie- und 25 zu Repowering-Anlagen sind seit 2022 bei den heimischen Baubehörden eingegangen. Der „Windstrom“ von der Nordsee, der mittels großer, zum Teil auch den Kreis Borken führender Überlandtrassen zu den Ballungsräumen in Deutschland transportiert wird – weitere Strecken sind in der Planung – wirkt sich zudem auf den hiesigen Netzausbau aus.

Umfassende Erweiterungen bei Umspannanlagen

Vor diesen Hintergründen plant die Westnetz GmbH im Kreisgebiet hinsichtlich ihrer Umspannanlagen umfassende Erweiterungen. Konkrete Projekte, die im Rahmen dieser Planungen umgesetzt werden sollen, sind: Neubau einer 10kV-Anlage durch die „Lokalwerke“ (SVS) in Stadtlohn; Ersatzneubau einer 10kV-Anlage in Gescher im Jahr 2025/26; Neubau einer 10kV-Anlage in Nordvelen (IBN 06/2021) mit einem zusätzlichen Trafo im Jahr 2024, einem weiteren Trafo voraussichtlich 2025; Neubau einer 110/30/10kV-Anlage in Heek Umspannungsanlage Ahle in 2024-2026; Ersatzneubau u. zusätzlicher Trafo in Ahaus in 2025/2026; Neubau einer 110/30/10kV-Anlage in Ahaus-Wüllen im Zeitraum 2028/2029.

Windparks werden direkt angeschlossen

Zudem teilte die Westnetz GmbH mit, dass Windparks und Freiflächen-PV-Anlagen direkt ans 30 kV-Netz angeschlossen würden inkl. begleitendem Netzausbau. Beispielhaft dafür nannte das Unternehmen die Windparks in Heiden-Nordick, Berkeltal sowie Tungerloh-Pröbsting und eine Kapazitätserhöhung durch ein neues 30 kV-Doppelkabel in Borken-Rhede. Auch die Vertreter der heimischen Stadtwerke schilderten, dass Ausbau und Digitalisierung ihrer Netze in den vergangenen Jahren deutlich vorangetrieben wurden. Sie stehen weiter mit höchster Priorität auf der Agenda.

Hochdruck beim Ausbau der Netzkapazitäten

„Diese Pläne unterstreichen das Engagement der Energieversorgungsunternehmen für eine stabile und zukunftsfähige Energieinfrastruktur im Kreis Borken“, konstatierte Landrat Dr. Kai Zwicker. Ausdrücklich würdigte er deren Aktivitäten: „Die verantwortlichen Netzbetreiber arbeiten seit Langem mit Hochdruck am Ausbau der Netzkapazitäten.“ So sei der Einsatz von Personal-, Finanz- und Materialressourcen hierfür deutlich verstärkt worden. Allerdings sei auch klar, dass er irgendwann jedoch an Grenzen stoße.

Eckpunkte des Bürgerenergiegesetzes diskutiert

Diskutiert wurden im weiteren Verlauf die Eckpunkte des Entwurfs des Bürgerenergiegesetzes NRW, das eine Beteiligungspflicht der Bürgerschaft sowie der Kommunen durch die Vorhabenträger bei neuen Windkraftanlagen vorsieht. Außerdem ging es um innovative Betriebs- und Beteiligungsmodelle für erneuerbare Energieanlagen. Diese zielen darauf ab, die wirtschaftliche Rentabilität dieser Anlagen und gleichzeitig die Akzeptanz in der Bevölkerung zu fördern.

Fortschritte bei der Erstellung kommunaler Wärmepläne

Eine wichtige Rolle spielte das Thema „Wärme“. Erörtert wurden insbesondere die Fortschritte bei der Erstellung der kommunalen Wärmepläne in den 17 kreisangehörigen Kommunen. Landesrechtliche Regelungen, die für Sommer 2024 angekündigt sind, sollen noch offene Fragen beantworten, hieß es in diesem Zusammenhang. Die Wärmenetzbetreiber müssen ihre Netze unter Berücksichtigung bestimmter Fristen und Etappenziele spätestens bis zum 31.12.2044 zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien oder Abwärme oder einem Mix daraus speisen. Hinsichtlich dieser Transformationsvorgabe für Wärmenetze und Wärmenetzausbaupläne, die das Wärmeplanungsgesetz vorsieht, seien die Stadtwerke im Kreisgebiet vorbereitet, erklärte Karl-Heinz Siekhaus, Geschäftsführer der „LokalWerke GmbH“.

Biogaspotenzialanalyse als Informationsquelle

Den Kommunen werden im Rahmen der Erstellung der Kommunalen Wärmeplanung die Ergebnisse der kreisweit erstellten Biogaspotentialanalyse als wichtige Informationsquelle dienen. Allerdings werde die Transformation der Erdgasnetze, somit die Ausgestaltung der Netzentwicklungspläne Gas, auch im Zusammenhang mit der kommunalen Wärmeplanung eine langfristige Herausforderung, die in auf abgestimmter Weise gelingen könne, so Siekhaus weiter.

Westmünsterland in Sachen H2-Kernnetz gut aufgestellt

Zu den aktuellen Entwicklungen im Themenfeld Wasserstoff teilte Daniela Terbeck von der Wasserstoff Entwicklungs GmbH & Co. KG mit, dass das Westmünsterland hinsichtlich des auf Bundesebene konzipierten H2-Kernnetzes gut aufgestellt sei. So besitze der Kreis Borken als H2-Transport-, Speicher- und mögliche Erzeugerregion beste strukturelle Ausgangsbedingungen.

Ausbaumöglichkeiten der E-Ladesäuleninfrastruktur

Diskutiert wurden überdies weitere Ausbaumöglichkeiten der E-Ladesäuleninfrastruktur, um die Elektromobilität in der Region voranzutreiben. Es bestehen mit Stand 1. August 2023 bereits 301 Ladesäulen mit 572 Ladepunkten im Kreisgebiet (Quelle: Bundesnetzagentur). Damit liegt der Kreis Borken im münsterlandweiten Vergleich vorne. Abschließend informierten Fachleute der Kreisverwaltung über die aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

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