Sonntag, 24. April 2024
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Erinnerung an die Bombardierung Vredens vor 79 Jahren

In Vreden wurde an die Bombardierung im Jahr 1945 gedacht. Bürgermeister Dr. Tom Tenostendarp legte einen Kranz nieder.
In Vreden wurde an die Bombardierung im Jahr 1945 gedacht. Bürgermeister Dr. Tom Tenostendarp legte einen Kranz nieder.

Am Donnerstag, 21. März 2024, versammelten sich viele Interessierte auf dem Alten Friedhof- Garten der Ruhe, um der Bombardierung Vredens zu gedenken. Zu Beginn verlas Wilma Keizers einen Zeitzeugenbericht von Elisabeth Hilgenberger, geborene Stroetmann.

Tagebuch ab 1943 geführt

Der Bericht stammt aus Band „Blickwinkel – Vredener Frauen im Portrait“. Lies wurde 1913 in Vreden geboren, besuchte die Rektoratsschule in Vreden und machte 1933 in Mülhausen am Niederrhein ihr Abitur. 1938 bestand sie in Weimar die Prüfung zur technischen Lehrerin und wurde 1939 in Lünen als Lehrerin eingestellt. 1942 heiratete sie den Lehrer Fritz Hilgenberger. Die kirchliche Trauung fand am 20. Mai 1943 in Vreden statt. Bereits im Oktober 1943 wurde ihr Mann in Russland als vermisst gemeldet. Von da an schrieb sie Tagebuch und berichtete von den Luftangriffen nahe Dortmund.

Am 23. März 1945 mit dem Rad von Lünen nach Vreden

Von morgens 8.30 Uhr bis 18 Uhr abends war ununterbrochen Alarm. Am selben Tag schrieb ihre Tante Julia Stroetmann aus Vreden einen Brief, dass sie sich alle große Sorgen um sie machten. Der Brief war am 20. März geschrieben, ein Tag vor den Bombenangriffen auf Vreden. Am 23. März fuhr Lies mit dem Rad von Lünen nach Vreden. In Haltern begegnete ihr ein Flachwagen voller Leichen und in Groß Reken musste sie sich in einem Erdloch vor Jagdbomberangriffen verstecken. In Velen erfuhr sie von dem Bombenangriff auf Vreden.

Eltern und Schwestern starben beim Bombenangriff auf Vreden

Vom Nachbarn Wilhelm Geelink musste sie erfahren, dass ihre Eltern und ihre drei Schwestern Johanna, Maria und Agnes bei der Bombardierung umgekommen waren. Nur ihre Brüder Ludwig, Arnold und Wilhelm überlebten. Ludwig hat sich an einer anderen Stelle in Vreden aufgehalten, Arnold war an der Front und Wilhelm in Gefangenschaft. 19 Tote wurden im Stroetmannschen Keller geborgen und in einem Reihengrab auf dem Friedhof an der Ostendarper Str. beerdigt. Frau Hilgenberger war bis 1973 eine beliebte Lehrerin an der Norbert-Schule und hat in verschiedenen Bereichen das kulturelle in Vreden mitgeprägt.

Bürgermeister zitiert Gedicht von Bertolt Brecht

Seine Rede begann Bürgermeister Dr. Tom Tenostendarp mit Zeilen aus einem Gedicht von Bertolt Brecht: „Die Häuser sollen nicht brennen. Bomber sollt nicht kennen. Die Nacht soll für den Schlaf sein. Leben soll keine Straf sein …“ Der Bürgermeister betonte wie erschreckend es sei, dass „Die Bitten der Kinder“ auch heute noch so aktuell seien. „Weltweit gibt es Kriege, seit über zwei Jahren auch bei uns in Europa. Deswegen gedenken wir jedes Jahr am 21. März nicht nur der Vrederinnen und Vredener, die vor 79 Jahren ums Leben gekommen sind. Über 200 Menschen haben an diesem Tag in Vreden ihr Leben verloren. Sie sind ein Mahnmal für uns. Auch unsere Partnerstadt Elsterwerda wurde im April 1945 bombardiert“, mahnte der Bürgermeister. Er erinnerte ebenso an die Demonstration gegen Rechtsextremismus im Januar auf dem Vredener Marktplatz mit über 2.000 Teilnehmern.

Kranzniederlegung, Schweigeminute, Gedenkgottesdienst

Als Symbol des Gedenkens und der Bitte um Frieden legte Bürgermeister Dr. Tom Tenostendarp einen Kranz nieder und bat um eine Schweigeminute. Werner Keizers trug in einem persönlichen Impuls die Bitte nach Frieden vor. Bürgermeister Dr. Tom Tenostendarp bedankte sich für die rege Teilnahme, der Bürgerstiftung für die Pflege des Gartens der Ruhe, der Seniorenunion und der Pfarrei St. Georg für die Organisation und Durchführung der Gedenkveranstaltung. Anschließend fand in der Stiftskirche ein Gedenkgottesdienst unter Leitung von Pfarrer Theberath statt.

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